UHH Newsletter

Dezember 2015, Nr. 80

FORSCHUNG


Kontakt:

Prof. Dr. Bernhard Hausdorf
Centrum für Naturkunde (CeNak)
Zoologisches Museum

t. 040.42838-2284
e. hausdorf"AT"zoologie.uni-hamburg.de

Von oben links nach unten rechts: Hainbänderschnecke (Cepaea nemoralis), Gartenbänderschnecke (Cepaea hortensis), Gerippte Bänderschnecke („Cepaea“ vindobonensis) und Waldbänderschnecke („Cepaea“ sylvatica). Die beiden unteren müssen jetzt Caucasotachea vindobonensis bzw. Macularia sylvatica genannt werden. Fotos: UHH/Hausdorf

Von oben links nach unten rechts: Hainbänderschnecke (Cepaea nemoralis), Gartenbänderschnecke (Cepaea hortensis), Gerippte Bänderschnecke („Cepaea“ vindobonensis) und Waldbänderschnecke („Cepaea“ sylvatica). Die beiden unteren müssen jetzt Caucasotachea vindobonensis bzw. Macularia sylvatica genannt werden. Fotos: UHH/Hausdorf

Die liebe Verwandtschaft: Forscher der Universität Hamburg klären Herkunft der Bänderschnecken-Arten

Zur Gattung der Bänderschnecken wurden bisher vier Arten gerechnet. Die Hamburger Zoologen und Evolutionsbiologen Prof. Dr. Bernhard Hausdorf und Marco Neiber haben die verwandtschaftlichen Beziehungen dieser und weiterer Arten aus der Familie der Schnirkelschnecken mit molekulargenetischen Methoden untersucht – mit überraschenden Ergebnissen, die nun in der Fachzeitschrift „Molecular Phylogenetics and Evolution“ veröffentlicht wurden: Nicht nur die Verwandtschaftsverhältnisse sind anders als gedacht, sondern auch der Ursprung der Bänderschnecken.

Außer den beiden in Mitteleuropa weit verbreiteten Arten, der Hainbänderschnecke (Cepaea nemoralis) und der Gartenbänderschnecke (Cepaea hortensis), wurden bis jetzt zwei weitere Arten zu der Gattung gerechnet: Die Waldbänderschnecke (Cepaea sylvatica) ist hauptsächlich in den westlichen Alpen heimisch und erreicht Deutschland über das Rheintal, während die Gerippte Bänderschnecke (Cepaea vindobonensis) vor allem in Südost- und Osteuropa, aber auch im oberen Elbtal bis nach Deutschland verbreitet ist.

DNA-Untersuchungen bringen Klarheit

Im Rahmen eines von der Volkswagenstiftung geförderten Projektes über die Besiedlung der Kaukasusregion durch Landschnecken wurde der Stammbaum der Familie der Schnirkelschnecken mithilfe von DNA-Sequenzen rekonstruiert. Und der zeigt: Die vier Bänderschneckenarten sind nicht näher miteinander verwandt und nur bei der Hainbänderschnecke und der Gartenbänderschnecke handelt es sich um Schwesterarten mit großen genetischen Übereinstimmungen.

Die Waldbänderschnecke dagegen gehört zu einer in den Westalpen heimischen Gattung, während die Gerippte Bänderschnecke mit einer hauptsächlich in der Kaukasusregion verbreiteten Gruppe von Arten verwandt ist. Die vier Arten sind also nicht nur nicht näher miteinander verwandt, sondern haben auch einen unterschiedlichen „Migrationshintergrund“.

Folgen für viele weitere Forschungsprojekte

Die Ergebnisse haben weitreichende Folgen für Forschungsprojekte zum Polymorphismus. „Arten sind polymorph, wenn sie eine große, genetisch bedingte Vielfalt an äußeren Erscheinungsformen aufweisen – und die Gattung der Bänderschnecken tut das in besonderer Weise“, erklärt Prof. Bernhard Hausdorf. Vor allem bezüglich der Gehäusefarbe, die bei den beiden mitteleuropäischen Arten von braun über rosa bis hin zu gelb reicht, und der variablen Anzahl von bis zu fünf, meist dunkelbraunen Bändern auf dem Gehäuse.

Die beiden vermeintlichen „Cepaea“-Arten weisen dabei eine geringere Variabilität auf als die beiden mitteleuropäischen, wurden aber wegen der reduzierten Komplexität als Modelorganismen für genetische Untersuchungen des Polymorphismus vorgeschlagen. Da die neuen Ergebnisse jetzt zeigen, dass die Waldbänderschnecke und die Gerippte Bänderschnecke aber mit den echten Bänderschnecken nur sehr entfernt verwandt sind, muss erst einmal nachgewiesen werden, dass die Variabilität dieser Arten durch die gleichen genetischen Mechanismen wie bei den echten Bänderschneckenarten bestimmt wird. „Die Studie zeigt damit beispielhaft, wie wichtig die Kenntnis des richtigen Stammbaums für die vergleichende Biologie ist“, so Hausdorf.

PM/Red.
 
 
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