Willkommen an BordAufwecken, motivieren, Wahrnehmung steuern: Wie Musik auf Geist und Gehirn wirktProf. Dr. Daniel Müllensiefen verstärkt die Geisteswissenschaften
1. April 2025, von Müllensiefen/Red.

Foto: UHH/Esfandiari
Jedes Jahr kommen zahlreiche neue Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an die Universität Hamburg. In dieser Reihe stellen wir sie und ihre Forschungsgebiete vor. Dieses Mal: Musikpsychologe Prof. Dr. Daniel Müllensiefen.
Prof. Dr. Daniel Müllensiefen ist zum Sommersemester 2025 von der University of London nach Hamburg gekommen und hat an der Fakultät für Geisteswissenschaften eine Professur für Systematische Musikwissenschaft, insbesondere Musikpsychologie“ angetreten.
Mein Forschungsgebiet in drei Sätzen:
Ich arbeite vor allem im Bereich der Musikpsychologie und forsche zu Wahrnehmung und Verarbeitung von Musik sowie den Effekten von Musik auf Menschen und ihr Verhalten. Dazu gehören zum Beispiel die Fragen, wie wir Musik mental repräsentieren, wie Musik bestimmte Emotionen und Assoziationen auslöst und warum wir alle unterschiedlich mit Musik umgehen.
Und so erkläre ich meiner Familie, worum es da geht:
Meine Familienmitglieder sind immer wieder Versuchsteilnehmer in unseren musikpsychologischen Experimenten und haben mittlerweile eine gute Ahnung davon, was Musikpsychologie ist und wie sie empirisch funktioniert. Aber neuen Bekanntschaften oder den Leuten aus meinem Sportverein erkläre ich Musikpsychologie oft so: Musik hat starke Effekte auf Menschen, die wir zum Beispiel nutzen können, um morgens aus dem Bett zu kommen oder abends einzuschlafen. Filmmusik beeinflusst unsere Interpretation von dem, was wir auf der Leinwand sehen und Werbemusik kann eine Marke jung und cool erscheinen lassen oder solide und vertrauenswürdig und so Konsumverhalten lenken.
Musikpsychologie versucht mit wissenschaftlichen Methoden herauszufinden, wie Musik unser Denken und unser Handeln beeinflusst, welche Elemente (etwa Melodie, Rhythmus, Sound) besondere Wirkung haben und warum Menschen so unterschiedlich sein können, wenn es um Musik geht. Zum Forschen benutzen wir Methoden aus der Psychologie, den Neurowissenschaften oder der Informatik. Anwendung finden unsere Forschungsergebnisse unter anderem in der Musiktherapie oder Musikpädagogik, in Werbung und Marketing, bei Streamingdiensten und der Gestaltung von Medieninhalten.
Aber es gibt auch viele alltägliche Phänomene und Fragen, mit denen sich die Musikpsychologie und systematische Musikwissenschaft beschäftigt: Was ist die beste Musik zum Arbeiten? Gibt es die perfekte Ohrwurmmelodie? Werden wir durch das Hören von Mozarts Musik intelligenter? Geben Kühe mehr Milch, wenn im Stall Musik spielt? Wachsen Hanfpflanzen schneller, wenn sie mit Jimi Hendrix beschallt werden?
Darum freue ich mich auf Hamburg – auf die Stadt und die Universität:
Ich bin lange zwischen London und Hamburg gependelt und freue mich jetzt darauf, in der Stadt dauerhaft zu wohnen, in der ich auch arbeite. An der Hamburger Uni gibt es ein eigenes Institut für systematische Musikwissenschaft, wo die Musikpsychologie beheimatet ist und ich freue mich auf die Arbeit mit den Hamburger Studierenden, die in den eigenständigen Bachelor- und Masterstudiengängen das inhaltliche und methodische Rüstzeug bekommen, um in diesem sehr interdisziplinären Bereich erfolgreich zu arbeiten. Das unterscheidet Hamburg von anderen Standorten in Deutschland, wo man diesen Bereich nur schwer in dieser Tiefe und Breite studieren kann.
Das sind meine Pläne an der Uni Hamburg:
Ich habe 18 Jahre lang in London gearbeitet und ich möchte etwas von der Internationalität und dem vernetzten Denken, das ich dort kennen und schätzen gelernt habe, mit nach Hamburg bringen.
Darum sollten Studierende unbedingt meine Veranstaltungen besuchen:
Wer Interesse an musikpsychologischen Fragen hat und auch wissen will, wie man selbst in diesem Bereich gute Forschung betreibt, ist in meinen Veranstaltungen richtig. Mitbringen sollte man Neugier, die Bereitschaft etwas Neues zu lernen, Spaß am Experimentieren und Analysieren und natürlich Interesse an Musik in ihrer ganzen Vielfalt.
Blick in die weite Welt – mit diesen internationalen Einrichtungen, Universitäten oder Institutionen arbeite ich zusammen:
Viele Kontakte habe ich natürlich noch nach Großbritannien, wo ich mit Forscherinnen und Forschern an der University of London oder Cambridge zusammenarbeite. Ich bin auch Teil eines großen Konsortiums zur Musikgenetik mit Partnern unter anderem in den USA, Kanada, Neuseeland, den Niederlanden. Innerhalb einer anderen internationalen Forschungsgruppe haben wir ein umfassendes Modell zur Talententwicklung publiziert – und auf Grundlage dieses theoretischen Rahmens möchten wir nun herausfinden, ob sich Talente und Begabungen in so verschiedenen Bereichen wie beispielsweise der Mathematik, der bildenden Kunst und der Musik ähnlich entwickeln und wo sich Entwicklungsverläufe vielleicht unterscheiden.
Darum ist meine Forschung für die Gesellschaft wichtig:
Auf der einen Seite ist da die Grundlagenforschung im Bereich Musik, die viele Menschen interessiert, weil sie selbst ein großes Interesse an Musik haben und merken wie bedeutsam Musik in ihrem Leben ist. Zum anderen ist es die angewandte Forschung, die uns helfen kann, Musik in vielen Situationen erfolgreich einzusetzen, zum Beispiel in der Therapie von Schlaganfallpatientinnen und -patienten, zur Regulation unserer Emotionen, Motivationen und Stimmungen, im Marketing und anderen kommerziellen Bereichen und natürlich als etwas, was uns ungeheuren Spaß macht und das unsere individuelle Identität prägt.